28.02.17Berlin-Brandenburg

Schnelles Internet: Berlin gut erschlossen – Brandenburg muss aufholen

Auf dem Weg zur Industrie 4.0 ist der Breitbandausbau zwingende Voraussetzung. Umso wichtiger ist es, heute schon an wichtigen Industriestandorten in Gigabit-Netze zu investieren.

Berlin kann sich mit seinem Glasfasernetz sehen lassen. Ein Großteil der Hauptstadt ist mittlerweile mit schnellem Internet erschlossen. Die Bezirke Mitte, Charlottenburg-Wilmersdorf und Schönberg sind am besten versorgt. Und auch die östlichen Stadtbezirke haben seit 2011 deutlich aufgeholt, auch wenn Pankow Schlusslicht geblieben ist.

Viele der Berliner Wissenschafts- und Kultureinrichtungen sind zudem über das Wissenschaftsnetz BRAIN an das landeseigene Glasfasernetz angeschlossen – mit Geschwindigkeiten von bis zu zehn Gigabit pro Sekunde.

Ganz anders sieht die Situation in Brandenburg aus. Anfang 2016 verfügten nur circa 50 Prozent der Haushalte über einen Anschluss von 50 Megabit pro Sekunde. Vor allem ländliche Regionen sind nach wie vor unzureichend versorgt. „Bis 2025 wird wohl kein flächendeckendes Glasfasernetz zur Verfügung stehen“, schätzt UVB-Geschäftsführer Sven Weickert den Entwicklungsstand ein. Ein wesentlicher Grund für den schleppenden Ausbau ist die Zurückhaltung privater Investoren. Wegen geringer Einwohnerzahlen müssen sie mit höheren Kosten pro Anschluss rechnen.

Industrie braucht mehr Netz mit mehr als 50 Megabit pro Sekunde

Deshalb engagieren sich sowohl das Land als auch der Bund für schnelle Internetleitungen. Brandenburg stellte in seinem Programm „Glasfaser 2020“ rund 58 Millionen Euro zur Verfügung, der Bund mehr als zwei Milliarden Euro. Zudem verpflichtete der Brandenburger Landtag die Landesregierung, eine Strategie zur Förderung der Digitalisierung zu erarbeiten.

Damit die Wirtschaftsstandorte in den kommenden Jahren zeitgemäße Anschlüsse bekommen, müsse man sich, nach Einschätzung der UVB, beim Netzausbau vorerst auf sogenannte „Hotspots“ konzentrieren. Dazu seien zunächst die Regionen zu identifizieren, in denen für die Industrie schon jetzt ein Ausbau von mehr als 50 Mbit/s erforderlich ist: Gewerbegebiete, Industriestandorte und Wissenschaftszentren wie Potsdam, Frankfurt oder Cottbus.

„Industriefähiges Breitband mit Up- und Download-Geschwindigkeiten von mehr als 50 Mbit/s ist eine entscheidende Voraussetzung für den Transformationsprozess zur Industrie 4.0“, betont Weickert. Komplexe Anwendungen, die sich im Zuge der Digitalisierung immer mehr durchsetzen und verbreiten werden, seien aufgrund sehr hoher Datenverarbeitungen auf Gigabit-Netze angewiesen.

Kupfer durch Glasfaser ersetzen

Zudem mahnt die UVB den Ausbau eines kompletten Glasfasernetzes an – sowohl in Brandenburg als auch in Berlin. Die letzte Meile – also das Stück vom Verteiler bis zum Verbraucher – ist in Deutschland in der Regel aus Kupfer. Mit der damit verbundenen Übertragungstechnik, dem Vectoring, sinkt die Bandbreite je weiter der Verteiler vom Verbraucher entfernt ist und je mehr Kunden mit der Leitung versorgt werden müssen. Deswegen könnten viele Haushalte, trotz des Glasfasernetzes, nicht einmal mit 50 Megabit pro Sekunde rechnen.

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