MINT-Herbstreport 2025
Die Arbeitskräftelücke in den MINT-Berufen bleibt trotz der wirtschaftlich schwierigen Lage auf hohem Niveau. Das ist das zentrale Ergebnis des MINT-Herbstreports 2025, der am 27. November 2025 im Berliner BASECAMP vorgestellt wurde. Zwar ist die Lücke im Vergleich zum Vorjahr konjunkturbedingt gesunken; im Oktober 2025 erreicht sie aber noch immer einen Wert von 148.500 fehlenden MINT-Arbeitskräften.
Mit rund 93.500 Personen bilden die MINT-Facharbeiterberufe (Berufsausbildung) die größte Engpassgruppe, gefolgt von rund 40.800 Personen im Segment der sogenannten MINT-Expertenberufe (Akademiker) sowie rund 14.200 Personen im Bereich der Spezialisten- bzw. Meister- und Technikerberufe. Den künftigen Zusatzbedarfen in den Bereichen Digitalisierung, Klimaschutz, Infrastruktur und Verteidigung stehen der demografische Wandel und die sinkenden MINT-Kompetenzen der Jugendlichen gegenüber. Durch beide Faktoren dürfte sich der Fachkräftemangel künftig wieder deutlich verschärfen.
MINT-Fachkräfte werden besonders benötigt, um in den Wachstumssektoren und den hochinnovativen Bereichen der Wirtschaft, die Transformation zu gestalten und den Weg aus Rezession und Stagnation zu ebnen.
MINT-Zuwanderung über die Hochschulen stärkt Innovationskraft und Wertschöpfung
Die diesjährige Sonderauswertung des MINT-Reports zeigt, dass die Zuwanderung von MINT-Fachkräften aktuell einen großen Beitrag zur Fachkräftesicherung leistet. Internationale MINT-Studierende werden demnach für Deutschlands Innovationskraft immer wichtiger. „Im Jahr 2022 lebten 153.000 MINT-Zuwanderer, die über die Hochschulen eingewandert sind, in Deutschland. Diese trugen in diesem Jahr 14,6 Milliarden Euro zur Wertschöpfung bei“, kommentierte Prof. Dr. Axel Plünnecke, Leiter der Studie und des Themenclusters Bildung, Innovation und Migration am IW Köln. Er erinnerte daran, dass viele Start-up-Gründerinnen und -Gründer im Ausland geboren sind, jede oder jeder Zweite von ihnen habe in Deutschland studiert.
Unterdessen belegt Deutschland nach den USA und Großbritannien den 3. Platz bei der Anzahl international Studierender. Spannend ist, dass die Hälfte der Studierenden, die nach Deutschland kommen, sich für ein MINT-Fach entscheidet. „Die Zahl international Studierender in den MINT-Fächern nimmt stark zu, die meisten wollen in Deutschland bleiben“, hat Axel Plünnecke herausgefunden. „Gelingt es, den Übergang in den Arbeitsmarkt erfolgreich zu gestalten, kann dies einen erheblichen Beitrag für Innovation, Wachstum und Wohlstand bedeuten.“
Nach der Präsentation der Studienergebnisse diskutierten Dr. Effrosyni Chelioti (Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt), Leonie Gerbers (Bundesministerium für Arbeit und Soziales), Christina Ramb (BDA) und Prof. Dr. Christoph Meinel („MINT Zukunft schaffen“) in einer Podiumsrunde. Ihr Ergebnis: Die Rahmenbedingungen (bspw. VISA-Verfahren, Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigungen) sollten dahin gehend verbessert werden, dass Studierende aus Drittländern leichter einen guten Einstieg in den deutschen Arbeitsmarkt erfahren können. Die Diskutierenden waren sich einig: Eine offene Willkommenskultur ist nötig, um Menschen in Deutschland zu halten. Eine große Bedeutung schrieben sie auch Themen wie Wohnen und einer (studienbegleitenden) Sprachförderung zu.
Schritte gegen den MINT-Fachkräftemangel
Um den grassierenden MINT-Fachkräftemangel zu mindern, braucht es aus Sicht der Studienautorinnen und -autoren eine gemeinsame Kraftanstrengung von Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft. Empfohlen wird ein Bündel von Maßnahmen – entlang der gesamten Bildungskette:
- MINT-Kompetenzen von Anfang an stärken: Frühkindliche Bildung, Ganztagsangebote sowie Sprach- und Leseförderung müssen gezielt ausgebaut werden. Schulen brauchen dafür mehr Mittel – verteilt nach einem Sozialindex. Naturwissenschaftlich-technische und digitale Angebote brauchen klare Entwicklungsziele und gezielte Förderung.
- Digitale MINT-Bildung ausbauen: Schulen brauchen praxisnahe Unterstützung, moderne Ausstattung und stabile Kooperationen mit außerschulischen MINT-Angeboten.
- Unterrichtsqualität sichern: Mehr qualifizierte Lehrkräfte müssen gewonnen und gehalten werden. Zusätzlich sollten multiprofessionelle Teams ausgebaut werden, um Lehrkräfte – etwa bei der Umsetzung digitaler Konzepte – gezielt zu unterstützen.
- Mehr Frauen für MINT gewinnen: Klischeefreie Berufs- und Studienorientierung, weibliche Vorbilder (Role Models) und Mentoringprogramme können mehr junge Frauen für MINT begeistern. MINT-Berufe sollten klar als Zukunftsberufe positioniert werden, etwa im Kontext von Klimaschutz, KI-Forschung und Digitalisierung.
- Ältere aktiv einbinden: Der technologische Wandel verlangt kontinuierliche Weiterbildung. Die Hochschulen sollten berufsbegleitende Studiengänge ausweiten und mehr Angebote zur akademischen Weiterbildung machen. Attraktivere Regelungen für spätere Renteneintritte helfen, Know-how länger in der Wirtschaft zu sichern.
- Mehr internationale Studierende halten: Lehrkapazitäten sollten an Hochschulen gesichert, das Standort-Marketing ausgeweitet und Studierende bei der VISA-Vergabe besser unterstützt werden. Während des Studiums braucht es mehr studienbegleitende Angebote zum Spracherwerb und Unterstützung beim Übergang vom Studium in den Beruf. Wichtig ist dazu eine Stärkung der Willkommenskultur in der Gesellschaft und die Ausweitung und Verstetigung bestehender Netzwerke zur Begleitung und Unterstützung der internationalen Studierenden.
Über den MINT-Report
Der MINT-Report wird zweimal jährlich vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln erstellt. Die Studie entsteht im Auftrag der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall und der Initiative „MINT Zukunft schaffen“. Gesamtmetall, BDA und „MINT Zukunft schaffen“ sind Mitglieder im Nationalen MINT Forum.