20.08.16 | Berlin

Ausbildung digital

Die digitale Bildung im dualen Ausbildungssystem steht hierzulande noch am Anfang.

Die Digitalisierung verändert unsere Art zu leben, zu arbeiten und zu lernen – das ist ein Fakt. Während jedoch ihre Auswirkungen auf Schule und Hochschule schon vielfältig untersucht wurden, stand der berufliche Ausbildungsbereich bisher noch im Abseits. Diese Lücke schließt der neue „Monitor Digitale Bildung“ der Bertelsmann-Stiftung. Er stellt – in seinem ersten Teil –  die digitalen Kompetenzen von Berufsschulen, überbetrieblichen Einrichtungen und Ausbildungsbetrieben in den Fokus.   

Das Fazit der Studie ist ernüchternd. So kommen die Autoren zu dem Schluss, dass zwar die Bedeutung neuer Lerntechnologien für die Zukunftsfähigkeit der Lerneinrichtungen und didaktische Potentiale hoch eingestuft wird, sie jedoch noch nicht zum Alltag beruflicher Bildungsinstitutionen gehören. Kurz gesagt: Die digitale Bildung im dualen Ausbildungssystem steht hierzulande noch am Anfang.

Die wichtigsten Ergebnisse

Es fehlt an neuen und modernen Konzepten für den Einsatz digitaler Technologien. Viel zu oft folgen Lehrkräfte und Ausbilder beim Einsatz solcher Techniken noch veralteten didaktischen und methodischen Grundlagen. So wird im Ergebnis nur verhalten modernisiert, statt wirklich innoviert. Entscheidend für das Gelingen des dualen Wandels in der Ausbildung ist daher die Weiterentwicklung der Lehrkräfte. Sie brauchen Orientierungshilfen, wenn es darum geht, situationsbezogen die richtigen digitalen Techniken auszuwählen und einzusetzen. Neben dieser Kompetenzfrage sind zudem Fragen der finanziellen und zeitlichen Ressourcen die bisher größten Hemmnisse.

Die bisherige Zurückhaltung könnte zudem in einem fehlenden Blick für Chancen begründet sein. So werden die Potentiale digitaler Lehr- und Lerntechnologien für mehr Teilhabe und Chancengerechtigkeit bisher noch zu selten gesehen. Dabei könnten vor allem jüngere, männliche Auszubildende mit einem niedrigen Schulabschluss davon profitieren. Sie könnten durch den Einsatz digitaler Technologien viel besser motiviert werden, als es durch analoge Medien der Fall ist.

Überhaupt liegt es nicht an den Auszubildenden, dass sich digitale Lernmedien in der Ausbildung noch nicht durchgesetzt haben. Sie nutzen die digitalen Hilfsmittel bereits in ihrer Freizeit auf vielfältige Art und Weise und wünschen sich den Einsatz auch im Berufsschulunterricht.

Ohne Infrastruktur keine Digitalisierung

Grundlegende Voraussetzung für die Digitalisierung in der Lehre sind digitale Infrastrukturen. Diese sind an den Berufsschulen jedoch noch Mangelware. Die überwiegende Mehrheit der Berufsschullehrer kann im Unterricht noch nicht einmal auf ein funktionierendes WLAN-Netz zurückgreifen. Smartphones und Tablet sind eine Seltenheit. Lediglich Whiteboards und PCs sind nahezu flächendeckend vorhanden. Doch reicht das in Zeiten von Learning Apps, MOOCs und Flipped Classrooms längst nicht mehr aus.

Berlin geht voran

An den Berliner Berufsschulen indes soll es vorangehen. Hier bereiten Bildungsakteure derzeit  eine Technikstrategie für berufliche Schulen vor, die künftig unter anderem eine zeitgemäße, funktionssichere und vor allem leistungsfähige digitale Infrastruktur gewährleisten soll.

Darüber hinaus steht die Aus- und Weiterbildung der Lehrkräfte im Fokus. Diese sollen befähigt werden, digitale Unterrichtsinhalte und -plattformen sinnvoll einzusetzen und ihre Rolle vom Lehrenden zum Lernbegleiter zu entwickeln. Die Gestaltung individualisierter Lernwege steht dabei im Fokus. Gemeinsam mit den betrieblichen Ausbildern sollen sich Lehrkräfte digital weiterbilden und geeignete Lehrstrategien entwickeln.

Dafür wird die Senatsbildungsverwaltung zusammen mit den Wirtschafts- und Sozialpartnern in der Hauptstadtregion gemeinsame Fortbildungen für Ausbilderinnen, Ausbilder und Berufsschullehrkräfte organisieren, um digitale Kompetenzen in der dualen Ausbildung nachhaltig auszubauen.

Die Studie

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